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Sieben wissenschaftliche Institutionen Hildesheims
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Die romanischen Stuckfragmente aus der UNESCO-Welterbekirche St. Michaelis in Hildesheim

Private Stiftung fördert Forschungsprojekt des Hornemann Instituts


Die UNESCO-Welterbekirche St. Michaelis in Hildesheim wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts reich mit Stuckdekoration verziert: Um 1160/70 schufen Künstler zunächst die Figuren der sog. Seligpreisungen und den Stuckdekor in den Arkadenbögen im südlichen Seitenschiff, am Ende des 12. Jahrhunderts die reich mit figürlichen und floralen Motiven geschmückte Chorschrankenanlage, von der heute noch die Nordseite steht.  Zusätzlich haben sich rund 200 mittelalterliche Stuck-Fragmente in vier verschiedenen Magazinen in Hildesheim und Hannover erhalten. Von weiteren Fragmenten zeugen noch historische Zeichnungen und Fotografien.

Hildesheimer UNESCO-Welterbe
Diese Stuckfragmente gehören zum Ensemble des Hildesheimer UNESCO-Welterbes Hildesheimer Dom und St. Michaelis und sind für die Erforschung mittelalterlicher Stuckplastik von zentraler Bedeutung.

Interdisziplinäres Projekt
Ein interdisziplinäres Forscher*innenteam koordiniert von Dr. Angela Weyer, Leiterin des Hornemann Instituts, nimmt sich in den kommenden zwei Jahren der Fragmente an, deren Dokumentation und Erforschung noch erhebliche Lücken aufweisen.  

  • Zum einen sind diese Fragmente noch nie alle zusammengeführt worden, weil sie vom 19. bis zum frühen 21. Jahrhundert in Grabungen unterschiedlicher Institutionen geborgen wurden und sich deshalb heute im Besitz von drei Institutionen befinden: Kirchengemeinde St. Michaelis, Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim sowie Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege in Hannover.
  • Zum anderen erfolgte die restauratorische Ersterfassung der älteren Funde bereits vor rund 30 Jahren. Seither sind in den Restaurierungswissenschaften verfeinerte restauratorische und naturwissenschaftliche Untersuchungen entwickelt worden und üblich geworden, die unsere Vorstellung von den historischen Objekten erheblich verbessert.  

    Zum Projekt
    Inhalt des geplanten Forschungsprojektes ist es, alle Fragmente zusammenzubringen und den bisherigen Stand der Forschung zunächst zu evaluieren und dann zu komplettieren. Es ist eine systematische Dokumentation und Erforschung der Stuckfragmente geplant, unter Einbeziehung der historischen Quellen, restauratorischen Befunde am Objekt und naturwissenschaftlichen Analysen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der materiellen Beschaffenheit sowie den Bearbeitungsspuren, die Rückschlüsse auf Werktechnik und ursprüngliche Zusammengehörigkeit geben können. Die bereits vorliegenden fotografischen Dokumentationen sollen durch Fotos, IR/UV Aufnahmen, 3D Scans sowie zeichnerische Dokumentation ergänzt werden

    Insbesondere die ursprüngliche Farbigkeit der Chorschranke ist ein großes Forschungsdesiderat, nicht nur für Hildesheim.  Auf der Grundlage des Einsatzes nicht invasiver Untersuchungstechniken und der sich daraus ergebenden Fragestellungen sollen gezielt kleinste Beprobungen erfolgen, für die Analyse von Stuck, Pigmenten und Bindemitteln. Anschließend sollen die Untersuchungsergebnisse an den Hildesheimer Stuckfragmenten mit denen anderer aktueller Forschungsprojekte zum hochmittelalterlichen Stuck, insbesondere in Mitteldeutschland, verglichen werden.

    Letztlich werden die Forscher*innen gemeinsam unser Bild dieses größten, bekannten Stuckdekorationsensemble seiner Zeit nördlich der Alpen deutlich verbessern können. Wir erhoffen uns mithilfe der Fragment Rekonstruktionen, wie der Lettner einmal ausgesehen hat, und bessere Einblicke in einige ungewöhnlichen Techniken seiner Herstellung.

    Laufzeit und Publikation
    Die Projektlaufzeit soll im 2022 starten und maximal zwei Jahre dauern, einschließlich einer abschließenden Publikation in der Schriftenreihe des Hornemann Instituts, die sich nicht nur an die Fachleute richtet, sondern durch viele gute Illustrationen und klare Sprache auch an die interessierte Öffentlichkeit.  

    Förderung
    Das Projekt wird von der Beate und Hans Peter Autenrieth Stiftung finanziert und im Gedenken an den verstorbenen Kollegen Dr. Matthias Exner durchgeführt.

    Projektbeteiligte
    An der HAWK sind vor allem involviert:
    Dr. Angela Weyer, Leiterin des Hornemann Instituts
    Prof. Dr. Barbara Beckett, seit 1. September 2021 ordentliche Professorin für die Konservierung-Restaurierung von Steinobjekten und Architekturoberflächen
    Dr. Max Rahrig, Lehrbeauftragter an der HAWK für digitale Dokumentation
    Zudem soll noch eine akademische Restauratorin für das Projekt eingestellt werden.
    Prof. Dr. Dipl. Rest. Ursula Schädler-Saub, bis September 2021 ordentliche Professorin an der HAWK, arbeitet als wissenschaftliche Projektpartnerin mit.

    Alle anderen KULTUR.SPITZEN sind durch die Bereitstellung von Objekten oder Archivalen an dem Forschungsprojekt beteiligt.